Zwischen Bildern Lesen

Buchgestaltung

Bei diesem Projekt standen die Filme des russischen Regisseurs Andrej Tarkowskij. Ich gestaltete ein Nachschlagewerk mit Symbolen und Metaphern, die für sein Werk bezeichnend sind. Seine besondere Bildsprache habe ich in Begriffe übersetzt, geordnet und glossarisch zusammengefasst. Filmstills erhielten durch das Ausdrucken mit einem Faxgerät eine neue Struktur und dadurch eine eigene Ästhetik.

Die Filmwelten, die Andrej Tarkowskij in seinen Filmen konstruierte, bilden zusammen betrachtet ein ganzes Universum Ein Kosmos, in dem die Konstanten Spiritualität und Kontemplation wirken. Da jeder seiner Filme eine eigenartige Bildsprache und sein eigenes Tempo besitzt, weisen sie eine für ihn typische Ästhetik auf. Anhand der von mir ausgewählten Begriffe soll eine Tür in seine Welten geöffnet werden. Die Motive, die mir während des Anschauens seiner Filme auffielen, habe ich in diesem Glossar gesammelt und in ein Handbuch zusammengefasst. Tarkowskij beteuerte immer wieder in ihnen nicht mit Metaphern und Symbolen zu arbeiten. Trotzdem wiederholen sich bestimmte Motive und Chiffren, um, wie er einmal formulierte, »durch sie den nicht greifbaren Sinn unserer Existenz zum Ausdruck zu bringen«. Wenn man davon ausgeht, dass ein Film wie Sprache ist, muss man diese erst lernen um den Film ausreichend verstehen zu können. Das Medium Film gleicht demnach einem Grundmodell der Kommunikation. Dies besteht aus einem Zeichenvorrat bzw. einem Code, der dem Film zugrunde liegt. Man weiß, das mit Filmen »Aussagen« gemacht werden, dass sie einen »Inhalt« haben, dass sie etwas bedeuten – kurz: dass man Filme wie sprachliche Äußerungen verstehen kann. Der Inhalt des Buches vermag einzelne Elemente aufführen und innerhalb ihres umgebenden Kontextes erklären. Mit Tarkowskij teile ich eine Leidenschaft für Bilder und deren Aufdeckung. Deshalb fasse ich seine Filme als ein Zeichensystem auf, das ich anhand des Buchs versuchte darzustellen. Das Faxgerät, das die Bilder empfing, symbolisiert ein Übertragungsmedium. Es steht für den Filterungsprozess, der sich analog auch in meinem Geist abspielt. Bei dieser Filterung wurden die Filmstills in einen gleichen Zustand gebracht. In einer ähnlichen Art und Weise erzeugen auch Filmschaffende filmische Lebenssituationen, denen Abstraktionen vorausgehen. Sie generieren neue Ausdrucksweisen. Dieses Ausmaß an Abstraktion, das mit dem Ausdrucken der Bilder mittels des Faxgeräts erreicht wurde, ist auch in diesem Buch wiederzufinden.